Als die Zusage kam, dachte ich kurz, es sei ein Irrtum. Ein Name zu viel im Postfach, ein Versehen. Ein „Ja“, das nicht für mich bestimmt war.
Denn geantwortet hatte er: einer der bekanntesten Investigativ-Journalisten Deutschland.
Und hinter der Anfrage stand ich: ohne journalistische Ausbildung. Nur ich. Mit meinem Projekt, meinem Thema, meiner Idee und zu vielen Fragen.
Ich war nervös. Nicht diese aufgeregte Vorfreude. Eher das leise Zittern davor, zu scheitern – und entlarvt zu werden. Als jemand, der hier eigentlich nichts zu suchen hat.
Das Interview war telefonisch. Kein Blickkontakt. Kein Lächeln zur Beruhigung. Nur Stimme. Und meine habe ich kaum wiedererkannt.
Ich hatte mich vorbereitet, nicht wochenlang, aber mit dem, was ich konnte. Mit Respekt und Achtung. Und eben mit dieser bestimmten Angst, die nur dann auftaucht, wenn einem etwas wirklich wichtig ist.
Ich wollte gut fragen. Nicht auffallen durch Unsicherheit. Aber eben auch nicht so tun, als würde ich alles wissen. Ich hatte keine Technik, keine Routine. Nur mein Interesse. Und den Versuch, meinem Thema gerecht zu werden.
Die ersten Minuten fühlten sich endlos an. Ich tastete mich durch meine Notizen, hörte mich sprechen und hoffte, dass es reichen würde.
Und irgendwann wurde es ruhiger in mir. Nicht, weil ich sicher war. Sondern, weil ich gemerkt habe, dass ich da sein darf. Dass es nicht darum geht, perfekt zu sein – sondern klar.
Ich schreibe kein Sachbuch. Keinen journalistischen Bericht in dem Sinne. Aber ich bewege mich in echten Strukturen, durch ein System, das real ist, brutal ist, und oft nur schwer zu greifen.
Ich stelle Fragen, weil ich verstehen will. Und weil ich glaube, dass Geschichten Raum brauchen, um genau das zu tun: sichtbar machen, was sonst oft übersehen wird.
Und ja, manchmal frage ich mich, was ich da eigentlich mache. Ob ich zu viel will. Ob ich mir zu viel erlaube. Aber dann erinnere ich mich daran, dass es nicht darum geht, wer ich sein müsste – sondern wer ich bin, wenn ich mich traue.
Ich wusste nicht, ob ich das darf. Aber ich habs gemacht. Und vielleicht ist genau das oft der Anfang von allem.

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